Aus der Geschichte der Stadt

1. Anfänge der Stadt, Mittelalter

Die Besiedlung des Gebietes kann seit dem Neolithikum (ca. 5000 v. Chr.) angenommen werden. Die frühmittelalterliche Siedlung von Prostějov (deutsch auch »Proßnitz«) entstand wahrscheinlich im Raum des heutigen Platzes Petrské náměstí und der Straße Újezd, Ein Dorf mit Marktrecht entwickelte sich auf dem Gebiet des Hauptplatzes seit Mitte des 13. Jh.

1141 erste urkundliche Erwähnung der Ortschaft Prostějovice

1213 König Přemysl I. und der mährische Markgraf Vladislav Jindřich hielten sich in Prostějov auf

Ende des 13. Jh. wird Prostějov als Dorf mit Markt- und Mautrecht erwähnt

1359 Prostějov im Besitz der Herren Čeněk und Ondřej von Šelemberk (von dieser Zeit an bis 1848 gehört es zu einer Grundherrschaft)

1365 Prostějov als Kleinstadt (Oppidum) erwähnt

vor 1390 Herren von Kravaře erwarben Prostějov und schlössen es der Herrschaft von Plumlov an

1390 Markgraf Jošt erteilte das Privileg des Jahrmarktes (glich der Erhebung zu einer Stadt)

1391 Petr von Kravaře gründete das Kloster der Augustiner-Chorherren

1406 Petr von Kravaře erteilte ein Privileg, das die Stadtrechte erweiterte und das »Olmützer (=Magdeburger) Recht« statt des ursprünglichen »Brünner Rechtes« einführte (Olmütz == Olomouc, Brünn = Brno)

vor 1430 Hussiteneinmarsch und Zerstörung des Augustinerklosters

1431 Truppen des Albrecht von Österreich plünderten die Stadt

1454 Anfänge der jüdischen Gemeinde

1466 das Haus der Herren von Kravare stirbt in männlicher Linie aus; bis 1495 herrschen Johanka von Kravaře und deren Gatte Jan Heralt von Kunštát

1486 König Mathias Corvinus erteilt der Stadt das Recht eines zweiten Jahrmarktes

2. Frühneuzeit

Die Herrschaft von Plumlov samt Prostějov gehörte zwei bedeutenden Adelshäusern; in den Jahren 1495-1599 den Herren von Pernštejn, 1599 - 1848 dem Fürstenhaus Liechtenstein. Das Leben in Prostějov entwickite sich vielseitig besonders im 16. Jh. (in der »Blütezeit der Städte«). Nach dem 30-jährigen Krieg hingegen dauerte die Stadterneuerung sehr lange. Zum Aufschwung kam es wieder im 18. Jh. (jüdischer Handel/ Gründung von Klöstern, künstlerische Tätigkeit usw.)

1495 Vratislav I. von Pernštejn veranlaßt den Bau einer steinernen Stadtmauer

1499 erste Nachricht über die »Böhmischen Brüder« (Jednota bratrská); die bedeutende religiöse Gemeinschaft nahm nach dem Tätigkeitsverbot in Böhmen (1547) nun in Mähren zu

1522 rechtliches Erlöschen des Augustinerklosters/ Pfarre in Händen der Utraquisten

1521 – 1540 Wirken der Bauhütte des Jan von Pernstejn (altes Rathaus, Schloß, Portal im Schwarzen Hof)

1527 in Prostějov erscheint das erste Buch in tschechischer Sprache in Mähren »Listové bratřím boleslavským« (»Briefe an die Boleslaver Brüder«) von Jan Dubčanský; gedruckt bei Kašpar Aorgus

1578 – 1582 Umbau des Schlosses unter Vratislav II. von Pernštejn

1583 Stadtschreiber Jan Bělkovský von Rousov gründet die »Erinnerungsbücher der Stadt Prostějov«

1599 Karl von Liechtenstein bekommt finanzielle Unterstützung von der Stadtgemeinde, um die Herrschaft von Plumlov kaufen zu können

1622 – 1628 Anfänge der Rekatholisierung, Austreibung von Andersgläubigen

1643 vernichtender Einfall der Schweden

1697 großer Brand

1727 – 1730 Gründung des Klosters der barmherzigen Brüder

1728 Bau der Kaiserstraße (Wien -) Brno - Prostějov - Olomouc (- Schlesien, Polen)

1754/55 bekannter Maler František Antonín Sebastini (gestorben 1789) läßt sich in Prostějov nieder

1756 (1764) Gründung eines Hospizes durch die Kapuziner, später Umwandlung in ein Kloster

3. Von der Aufklärungszeit bis zur Gründerzeit

Die Aufklärungsreformen setzten sich in erster Linie im Gesundheitswesen, Schulwesen, in der Religion und der Stadtverwaltung durch. Grundlagen für ein modernes Leben in der Stadt schuf erst die »Gründerzeit« . Vor allem dank der jüdischen Gemeinde wurde Prostějov ein bedeutendes Handels- und Industriezentrum. Auf dem Gebiet der Konfektion, die seit den 40er Jahren des 19. Jh. in großen Mengen produziert wurde/ erwarb Prostějov Ende des Jahrhunderts eine führende Stellung (Drittel der Gesamtproduktion in der ganzen Monarchie Österreich-Ungarn). Nach den Ergebnissender Volkszählungen in den Jahren 1872 und 1890 war Prostějov die drittgrößte Stadt in Mahren nach Brno und Jihlava. In den 60er und 70er Jahren entstand eine Reihe von Kultur- und Sportvereinen: »Beseda« - Verein für die Bürgerbildung, der Turnverein »Sokol«, Gesangvereine »Orlice« und »Vlastimila«, sowie ein Theateramateurverein.

1784 Aufhebung des Kapuzinerklosters durch Kaiser Josef II.

1786 der josefinische »Magistrat«: Verstärkung der Staatsmacht zum Nachteil der Stadtautonomie

1801 Gründung der Stoffabrik Veit Ehrenstamms

1823 erste Promenade an Stelle der Befestigungswälle, an der Nordseite

1849 Gründung des Lesevereins

1850 Verwaltungsreform: der »Magistrat« wird duch ein der Stadtvertretung untergeordnetes Amt ersetzt

1855 Prostějov wird Sitz der politischen Bezirksbehörden

1869 Abriß der Stadtmauer

1870 die Eisenbahnverbindung Nezamyslice - Prostějov - Olomouc; das Gaswerk (Straßenbeleuchtung eingeführt)

1871 Gründung der tschechischen Realschule durch Unterstützung der Bürgervorschußkasse

1873 Gründung des Kreditvereins Vorschußkasse und Versatzamt

1878 Gründung der Maschinenbaufabrik von František Wichterle, die 1919 mit der Fabrik von František und Josef Kovařík (gegründet 1894) fusionierte

1882 Gründung des Industrievereines »Průmyslová jednota«, der 1884 Anlaß zur Gründung des Museums gab

1885 Gründung des städtischen Krankenhauses; Firma Konečný und Nedělník gegründet, die die meisten großen Bauten in der Stadt bis 1930 ausführte)

4. Um die Jahrhundertwende

Zeit einer vielseitigen Entwicklung, die am intensivsten auf dem Gebiet der Kultur zum Ausdruck kommt.

1892 tschechische Mehrheit im Rathaus, Karel Vojáččk (gestorben in 1898) zum Bürgermeister gewählt, Prostějov wurde die größte Stadt mit tschechischer Verwaltung in Mähren

1893 Volkskundliche Ausstellung; erster provisorischer Plan der Stadtregulierung

1898 Elektrifizierung der Stadt

1899 Gründung des tschechischen Gymnasiums

1900 neuer Stadtfriedhof errichtet

1906 – 1907 Bau des Nationalhauses

1907 Firma Theodor Dostál gegründet, seit 1909 als Metallfabrik »Vulkania« tätig

1908 Eröffnung des städtischen Museums im umgestalteten Gebäude des alten Rathauses

1911 – 1914 Bau des Neuen Rathauses

1917 blutige Unterdrückung der Hungerdemonstration

5. Von der Ersten Tschechoslowakischen Republik bis zur Gegenwart

Nach 1918 setzte sich die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung der Stadt fort. Nach 1939 wurde sie durch die nazistische Okkupation, später durch die totalitäre kommunistische Regierung gelähmt. Zu den »Werken des Sozialismus« gehören: ein Kranz von Neubaugebieten mit Plattenhäusern am Rande der Stadt (erbaut in den Jahren 1963 - 1990), sowie weitläufige Demolierungen im historischen Stadtkern und ein Kaufhaus mitten auf dem Hauptplatz. In den Jahren 1989-90 Rückkehr zu einer demokratischen Selbstverwaltung.

1922 Vertrag über Errichtung eines Millitärflugplatzes

1923 Regulierungsplan von J. Kumpošt und J. Peňáz in Angriff genommen, bedeutende Realisierung: der Platz náměstí Spojenců mit Nebenstraßen

1933 – 1936 Zentrum der bildenden Künstler der Hannakei »Reysek« tätig

1939 – 1945 Folgen des II. Weltkrieges: 1430 Tote (darunter 1300 Juden), Auflösung der jüdischen Gemeinde

Als Holocaust (vom griechischen ὁλόκαυστον holókauston ‚vollständig verbrannt‘) oder Schoah (auch Shoah; hebräisch ‚Unheil‘ oder ‚große Katastrophe‘) wird die Ermordung von mindestens 5,6 bis 6,3 Millionen Menschen bezeichnet, die das nationalsozialistische Regime als Juden definierte. DieserVölkermord zielte auf die vollständige Vernichtung der europäischen Juden. Er gründete auf dem staatlich propagierten Antisemitismus und wurde im Zweiten Weltkrieg seit 1941 systematisch, ab 1942 auch mit industriellen Methoden durchgeführt.

-Wikipedia-


Prostejov hatte eine der gröβten jűdischen Gemeinden in Mähren. Folgen des II. Weltkrieges: cca 1300 Juden getötet, was praktisch zur Auflösung der jüdischen Gemeinde fűhrte.

Einige Bilder der jüdischen Opfer sind hier.

1947 – 1951 Bau des neuen Hauptbahnhofs

1953 Protest gegen die Beseitigung der T. G. Masaryk-Statue vom Hauptplatz

1968 Durchzug sowjetischer Truppen (drei Bürger erschossen)

1990 erste freie Wahlen nach 44 Jahren; historische Stadtmitte von Prostějov zur städtischen Denkmalschutzzone erklärt

Hergestellt 4.11.2015 14:37:44 | gelesen 7121x | Jiří Třísko
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